Bundesinnenminister Horst Seehofer und der Vorsitzende der Innenministerkonferenz Holger Stahlknecht konnten in Berlin gute Nachrichten verkünden: Die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) mit den bundesweiten Zahlen für das zurückliegende Jahr 2017 verbucht fast zehn Prozent weniger registrierte Kriminaldelikte und damit den stärksten Rückgang seit beinahe 25 Jahren. Mit 5,76 Millionen erfassten Straftaten entspricht das einem Minus von über 600.000 Delikten. Die Anzahl registrierter Diebstähle und vor allem die Zahl versuchter und erfolgter Einbrüche ist weiter gesunken.

Anteil der Kriminalitätsbereiche an Straftaten gesamt

Diebstahl bleibt Kriminalitätsschwerpunkt

Wie in den Vorjahren dominieren Diebstahlsdelikte auch die Kriminalstatistik für 2017. Sie bilden mehr als ein Drittel (36,4 %) aller Straftaten. Im Vorjahresvergleich ist die Anzahl der Diebstähle dennoch stark zurückgegangen. 2,09 Millionen registrierte Fälle in 2017 entsprechen einem Rückgang von 11,8 Prozent zum Vorjahr. In Nordrhein-Westfalen erreichte die Zahl sogar ein neues 30-Jahre-Tief. Weniger Delikte gab es besonders in Bezug auf Taschendiebstahl (-22,7 %), außerdem sank die Zahl auch für Fahrräder (-9,8 %), Kraftfahrzeuge (-8,6 %) und Ladendiebstahl (-6,6 %).

Die Aufklärungsquote von Diebstahlsdelikten fällt mit etwa einem Viertel (27 %) sehr gering aus. Auffällig ist dabei, dass die Aufklärungsrate von Diebstählen in Kaufhäusern und Geschäften ein ganz anderes Bild zeichnet – hier liegt die Quote bei über 90 Prozent. Die hohe Zahl aufgeklärter Vergehen ist vor allem mit der häufig zum Einsatz kommenden professionellen Sicherheitstechnik, wie Alarmanlagen, Videoüberwachung oder direkter Leitstellenanbindung, zu erklären.

Weil die Diebstahlstatistik neben polizeilicher Kontrollintensität oder Änderungen in den Strafen auch stark vom Anzeigeverhalten der Opfer abhängig ist, lässt sich die Dunkelziffer nur schwer erfassen. Das gilt im besonderen Maße auch für Branchen wie Transport und Logistik, in denen sich die Anzeige von Diebstählen potentiell rufschädigend auswirken kann, weil das Vertrauen von Kunden in die Dienstleistung sinkt.

Anzahl der registrierten Wohnungseinbrüche mit Diebstahl
Kriminalstatistik 2017
Quelle: Bericht zur Polizeilichen Kriminalstatistik 2017

Der Trend zu weniger Einbrüchen hält an

Nachdem die registrierten Fälle von Wohnungseinbrüchen jahrelang regelmäßig für traurige Höchstwerte gesorgt hatten, zeichnet sich mit der Polizeilichen Kriminalstatistik 2017 inzwischen eine Kehrtwende ab. War für 2016 erstmals ein Rückgang gemeldet worden, so wurde für das vergangene Jahr nochmals eine Entspannung festgestellt. Mit 116.540 versuchten und vollendeten Einbrüchen fällt die Gegenüberstellung zum Vorjahr deutlich aus: Die Anzahl ist um mehr als ein Fünftel gesunken und ist damit so niedrig wie zuletzt im Jahr 2009. Im Vergleich der Bundesländer kann Rheinland-Pfalz den größten Rückgang verzeichnen, gefolgt von Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg. Hamburg erreichte mit einem Minus von 23,2 Prozent ein neues Zehn-Jahres-Tief.

Die Gründe für mehr Sicherheit in Haus und Wohnung liegen vor allem in einem bundesweiten Ausbau der Präventionsmaßnahmen. Die intensive Aufklärungsarbeit durch die Polizei und ein gesteigertes Bewusstsein für die Wichtigkeit von Maßnahmen zum Einbruchschutz sorgen für eine bessere Absicherung im privaten Bereich. Die Sicherung von Fenstern und Türen und der Einsatz professioneller Alarm- und Videoüberwachungstechnik wendet viele Einbrüche schon im Versuch ab.

Sonderfall Wirtschaftskriminalität

Weil Wirtschaftskriminalität weniger durch die Polizei als vielmehr durch Staatsanwaltschaften, Finanzbehörden oder den Zoll verfolgt wird, kann sie nicht gesondert in der Polizeilichen Kriminalstatistik erfasst werden. Trotz des geringen Anteils an den Gesamtstraftaten entsteht so jedes Jahr erheblicher finanzieller Schaden, besonders für Großunternehmen, aber auch für mittelständische Firmen. Wettbewerbsdelikte wie groß angelegter Diebstahl auf Baustellen oder neue Gefahren wie Industrie-Spionage durch Drohnen kann mit moderner Sicherheitstechnik eingedämmt werden.